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| 24.09.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Lieblingspfeile |
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Lieblingspfeil Nr. 2239 Verpfeilte "/" Verpfeilte Ziffern sind sehr viel seltener, als verpfeilte Buchstaben. Hier haben wir ein schönes Beispiel für eine verpfeilte "7" wo gut zu erkennen ist, dass die Verpfeilung des Mittelstrichs der Ziffer "7" diese leicht aus der Balance bringt. |
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| 22.09.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Aufräumen_XXXI |
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Die erste von zwei Seiten eines Textes von Urszula Usakowska-Wolff über meine Ausstellung „überbrechen“ 2012 in der Akademie der Künste am Hanseatenweg. Es war damals die einzige Besprechung und ich hatte sie aufgehoben, um sie online zu stellen. Dass es nicht dazu kam, lag nicht nur am Text. Rund um die Ausstellung gab es bis zum Abbau und zur Abrechnung Auseinander-setzungen mit der Kuratorin, die sich nur über die Leitung des Hauses klären ließen. Danach war ich damit beschäftigt, zeitnah eine Publikation* zur Ausstellung zu entwickeln. Alle noch vorhandene Kraft floß da hinein aber zu einer gedruckten Publikation hat es dann nicht (mehr) gereicht. Also, es lag nicht nur am Text, aber eben auch, dass ich vergaß, ihn online zu stellen. Der Text ist nicht nur freundlich und stellenweise auch seltsam sondern ich habe die Besprechung damals so gelesen, wie man eine gemischte Kritik eben liest: auf die Spitzen hin. Beispiele: Die Ausstellung wirke in Teilen „wie eine bebilderte Mutterschaftskampagne“, stellenweise fühle man sich „wie in einem Heimatmuseum“. So kam der Ausriss in eine Kiste und wurde vergessen. Jetzt, beim Wiederlesen, freue ich mich mehr über die guten Stellen in der Besprechung, besonders über diesen Satz: „Der Universalkünstler ist nämlich Regisseur, Dramaturg, Bühnenbildner, Beleuchter und Sound Designer eines Theaters, in dem die ‚Darsteller‘ zugleich Kulissen der schattenreichen Inszenierung sind.“ Das hat bisher niemand so geschrieben. Und Usakowska-Wolff hat zugestimmt, dass ihr Text bei mir online ab jetzt hier nachzulesen ist. Allerdings folgte gleich auf diesen schönen Satz folgendes in Klammern: „(Jean Dubuffets ‚Hourloupe‘-Zyklus schien wohl ein nicht so leicht zu übertreffendes Vor-Bild gewesen zu sein)“ Auch an diesem Satz werde ich schon 2012 hängen geblieben sein. Und wer die Spitzen sucht, überliest den schmeichelhaften Satz davor. |
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Zur Dubuffet-Klammer hier noch ein Nachtrag: In der Besprechung von „überbrechen“ steht, gleich nach dem schönen Satz, folgendes: "Auf die abstrakt-figurativen Gebilde (Jean Dubuffets "Hourloupe"-Zyklus schien wohl ein nicht so leicht zu übertreffendes Vor-Bild gewesen zu sein) aus Körperteilen, Gegenständen, schriftlichen Verlautbarungen oder einzelnen Worten werden Zeichnungen projiziert." Die Autorin beschreibt es so, als seien (die) Zeichnungen auf nicht bezeichnete Styroporteile projiziert worden, oder? Das stimmt so nicht... die Styroporteile waren auch bezeichnet. Und die Projektionen gingen hauptsächlich auf die Wandabschnitte zwischen den Stationen, um die Stationen miteinander zu verbinden... 2012 kannte ich von Dubuffet eigentlich nur das Frühwerk, die Materialbilder und die Kritzelfiguren. Die Autorin wusste an der Stelle mehr als ich. Meine Arbeit mit dem "Hourloupe"-Zyklus aus der Spätphase von Dubuffet zu vergleichen macht durchaus Sinn: die Betonungen von Konturen, die Zellenbildung, die ausgeschnittenen Formen. Sogar das Material: Dubuffet entdeckte 1966 das geschäumte Polystyrol, hierzulande nach dem Produktnamen des Herstellers BASF Styropor genannt. Allerdings schnitt Dubuffet das Styropor mit einem heißen Draht, ich mit einem Cutter mit besonders scharfen Wechselklingen. Das gibt andere Schnitte und andere Kanten, die bei mir, anders als bei Dubuffet, konisch werden. Ein Messer lässt sich führen wie ein Stift, der Schnitt hängt an Hand und Arm. Ich schneide nicht an der Farbe entlang, sondern mit drei, vier Millimetern Weiß Zugabe, konisch und ohne Sprünge. Der Schnitt ist eine zweite Linie neben der gezeichneten, und manchmal verbessert er sie: Der Schwung einer gekrümmten Pfeilbahn wird oft erst im Schneiden richtig. Der Draht lässt, jedenfalls ohne Schablone, kaum gute Linien zu. Außerdem dampft er, es entstehen gesundheitsschädliche Gase. |
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eine Linie in der neuen Größe neu zu machen, braucht Übung, aus dem Stand ist das niemandem gelungen. Selbst beim Schneiden nicht: Ich konnte nicht vermitteln, warum ich einmal so und einmal anders schnitt, und habe am Ende alles nachgeschnitten, oft einfachste Teile. Die Ausstellung in der Akademie habe ich deshalb weitgehend allein gezeichnet, geschnitten und aufgebaut. Je mehr man delegiert, desto eher treten solche Probleme auf. Ein gegossener Raum ist das andere Ende dieser Skala. An meinem Ende bin ich beim Aufbauen mehrmals für meinen eigenen Assistenten gehalten worden, weil ich früh da war und Arbeitskleidung trug. Eine Gemeinsamkeit sehe ich doch: das Interesse, Grenzen und Ecken eines Raums zu verunklären. Bei Dubuffet läuft die Linie über die Kante zwischen Wand und Boden, mal mit dem Relief, mal dagegen. Eine Haut über allem. Das mochte ich. Mein Weg war der andere, der mit den Schichten. Dazu kam das Licht: Die Wände der Halle verschwanden im Dunkeln, und die Lichtinseln zogen den Raum zusammen. Er wirkte kleiner, als er war. Auf Fotos sieht man das kaum. Philip Reichwald hat das Verfahren 2005 an einer Arbeit in Bonn beschrieben, als „Raumauflösung durch Raumüberlagerung“, und Barock genannt. Heute würde ich im Pompidou etwas anderes von Dubuffets Arbeit fotografieren: den Eingang. Zwei weiße Stufen, eine rechteckige Nische in der Museumswand, darin ein unregelmäßiges Loch und eine verzogene, schwarz umrandete Tür. Dahinter die andere Welt. Diese Schwelle, an der zwei Räume aufeinandertreffen, interessiert mich mehr als das Homogene dahinter. Ich habe damals das Falsche fotografiert. |
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| 18.09.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Lieblingspfeile |
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Lieblingspfeil Nr. 2238 Fast halbe Pfeile Plakat des Hauses am Lützowplatz für Umut Azad Akkel, „Holding My Drink in the Corner“, Sommer 2026. Oben links ein Pfeil nach oben, unten rechts einer nach unten, beide aus schwarzen, sich tangierenden, Kreisen gebaut. Pfeile aus Punkten gibt es in jeder Bilddatenbank zu Hunderten: als gerasterte Fläche, mit Luft zwischen den Punkten, gern mit Halbtonverlauf, der die Auflösung gleich mitliefert. Diese hier sind anders gebaut. Eine einzige Reihe, Kreis an Kreis, die Kreise berühren sich, ohne sich zu überlappen. Eher Kette als Raster. Und auf den ersten Blick haben sie nur eine halbe Pfeilspitze und Pfeile mit halber Spitze sind im öffentlichen Raum selten, deshalb war ich stehen geblieben. Auf den zweiten Blick stimmt das mit der halben Pfeilspitze nicht. Bei beiden sitzt auf der anderen Seite des Schafts ein Pfeilarmstummel, also ein angeschnittener Kreis an der Plakatkante. Es sind also eigentlich ganze Pfeile, nur so weit an den Rand geschoben, dass jeweils ein Pfeilarm nicht mehr auf die Plakatfläche passt. Beim oberen Pfeil ist es nicht nur der Arm: auch der Kreis, der die eigentliche Spitze bildet, ist angeschnitten. Die Pfeile und das restliche Vokabular des Plakats hellblaue, diagonal halbierte Quadrate, ein Font, der an die Helvetika erinnert könnte so auch zu einem Umschlag eines Taschenbuchs über Kybernetik zusammengesetzt worden sein, so um 1967. Irritierend weil visuell doch eher in die Irre führend... Und nicht wirklich Aufmerksamkeit generierend als Plakat, eher etwas lahm und langweilig, bieder. |
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| 15.09.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Lieblingspfeile |
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Lieblingspfeil Nr. 2237 Herz-Pfeil-Kombination Dieses Herz-Pfeil-Zusammentreffen wirkt fast schon figürlich: ein entsteht kleines Wesen mit zwei kurzen Ärmchen... das hat was von einer Pareidolie. Vgl. auch mit LP_0031 |
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| 14.09.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Lieblingspfeile |
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Lieblingspfeil Nr. 2236 Bewusst zerbrochener Pfeil Zehlendorf, Breisgauer Straße, Mitte September 2026, kurz vor der Abgeordne- tenhauswahl. Im Wahlkampfendspurt hängt die SPD noch mal ein neues Motiv auf: "Krach auch im Plakat kursiv geschrieben gegen Nazis“. Darunter ein Bär, aufgerichtet, breitbeinig, ernst bis böse, der vor der Brust einen blauen Pfeil auseinanderreißt. Der Spitzenkandidat wird nicht abgebildet, er steckt in der Überschrift, der Bär macht den Krach für ihn. Der Pfeil ist erkennbar der AfD-Pfeil, jedenfalls gerade noch. Im klassischen Logo steht „AfD“ weiß auf hellem Blau, darunter schwingt ein roter Pfeil von links unten nach rechts oben, versetzt, mit einem kleinen Anfangs-Wuppdich, das an die linke untere Ecke des „D“ stößt. Das ist die Richtung, die bei Leuten, die von links nach rechts lesen, Zukunft und Aufschwung verheißt. Auf dem Plakat ist der Wuppdich klein zusammen-gedrückt, kaum noch zu sehen. Und der Pfeil fast gerade. Verständlich: wer das Zeichen des Gegners plakatiert, macht für ihm auch Werbung, selbst wenn er es zerbricht. Also wird das Zeichen verfremdet, entschärft. Aber erkennbar muss der Pfeil trotzdem bleiben weil man sonst die Botschaft nicht kommunizieren kann. Die Farbe Rot verbietet sich, denn Rot gehört hier der SPD. Also wird er blau, in der Farbe, die im AFD-Logo der Grund ist. Der Grund wird zur Figur. Blau ist allerdings ein schwacher Ausweis. Wer die Referenz nicht zieht, sieht einen Bären, der einen vorwärts weisenden Pfeil zerbricht. Drunter steht „Wieder Berlin“ und deutlich kleiner daneben "mit Steffen Krach". Dahinter steckt ein älteres Problem: Bilder können nicht verneinen. Sol Worth hat das 1975 in einen Aufsatztitel gefasst, „Pictures Can't Say Ain't“. Die Sprache tut sich auch schwer, man denke jetzt bitte nicht an einen rosa Elefanten. Aber sie hat wenigstens ein Wort für „nicht“. |
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früher begegnet sind. Auf dem Plakat bricht der AFD-Pfeil, weil er von einem abstrahierten Blitz getroffen wird, auf dem Sticker wird ein nicht räumlicher Pfeil von einer ziemlich stilisierten Faust getroffen beide Male ist der eigentliche AFD-Pfeil nicht verfremdet. Mich überzeugen diese Versionen mehr als die Variante mit dem Bär. Beide Versionen bleiben flach, also zeichenhaft: Zeichen trifft Zeichen, und der Pfeil gewinnt kein Gewicht dazu. Der Bär dagegen braucht einen Gegenstand zum Zupacken. Also bekommt der Pfeil Volumen, Material und splitternde Bruchkanten, und als Ding wiegt er mehr, als das Logo je gewogen hat. Die SPD hatte übrigens schon einmal Pfeile gegen Nazis im Einsatz. Die Drei Pfeile der Eisernen Front von 1932 waren dafür gemacht, über Hakenkreuze gemalt zu werden. [Siehe links] Die Streichung wurde selbst zum Emblem und löste damit das Problem der visuellen Verneinung. Die Streichung war stärker als das Gestrichene, weil er ein eigenes Zeichen war. Und die Pfeile zeigten von rechts oben nach links unten, gegen die vom Gegner behauptete Stoßrichtung, dorthin, wohin der Gegner zurück gedrängt werden sollte. Erster Auftritt des AFD-Pfeils in meinem Weblog: 22-09-2013 Zur Frage "Das Verbotene zeigen?" gibt es einen Eintrag aus dem Jahr 2004. |
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| 11.09.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Zwei Feuerlöscher am Kulturforum |
Version 1.02 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Laut Booklet fasst Maurizio Cattelan die obere Halle der Neuen Nationalgalerie, in der er seine Ausstellung »NIGHT« eingerichtet hat, als eine Art Kirchenraum auf, mit Mittelschiff und Seitenschiffen. Vor Ort stellt sich dieser Eindruck allerdings nicht ein. Denn die Arbeiten von Cattelan gliedern die Halle nicht erkennbar in Haupt- und Seitenschiffe, und sie nehmen wenig Raum in der weiten Halle ein. Nur vor dem notorischen knienden Hitler hängt, ein gutes Stück höher, eine Figur, zu der man gegen das Licht der Glasfront aufblicken muss und die vage an ein Kruzifix erinnert.* Die Neue Nationalgalerie auf ihrem Sockel erinnert ohnehin eher an einen Tempel als an eine Kirche.** [Siehe auch Links am Ende des Textes] In dieser leeren Halle würde jede Bank sofort zur Skulptur. Wie platziert man hier einen Feuerlöscher, Cattelans Arbeit »Dust«, möglichst unauffällig? Denn: stünde sie frei im Raum, sähe jeder darin sofort ein künstlerisches Werk. |
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Das Recht unterscheidet die beiden nicht nach dem, was drin ist, sondern nach ihrer Bestimmung. Wer einen Feuerlöscher verändert oder unbrauchbar macht, der zur Hilfeleistung bestimmt ist, macht sich strafbar. Der Feuerlöscher in St. Matthäus ist zur Hilfeleistung bestimmt. Der von Cattelan ist es nicht mehr, er ist zum Anschauen bestimmt. Mit Kirchen verhält es sich ähnlich. Eine Kirche ist Kirche, weil sie dazu gewidmet ist, nicht wegen ihrer Ausstattung. Deshalb kann man in St. Matthäus das Kreuz abhängen, ohne dass sich etwas ändert. Und deshalb wird die Halle nebenan nicht zur Kirche, nur weil ein Booklet es sagt. Und beide Feuerlöscher sind unschicklich, dabei aber spiegelverkehrt. Beim zweiten ist es der Ort: Brandschutz auf dem Altarpodest. Das sieht man. Dass es vermutlich auch das falsche Gerät ist, sieht man nicht: Löschpulver und Orgel vertragen sich schlecht, für solche Räume empfiehlt man eher Schaum. Beim ersten ist es der Inhalt: die Asche eines Menschen* in einem Gerät, dessen Hebel sie in die Luft blasen würde. Das kann man nur wissen. Beide Unschicklichkeiten sind genehmigt, die eine vom Toten, die andere vom Brandschutzbeauftragten. Die Aufsicht, ein freundlicher, sichtlich beseelter Herr, erklärte mir, es werde je nach Ausstellung entschieden, ob das Kreuz über dem Altar hänge oder nicht. Die Gottesdienste fänden so oder so statt. Ich hätte gerne auch nach dem Feuerlöscher gefragt, aber der Mann glaubte so erkennbar an das Ganze, dass ich ihn nicht irritieren wollte. Weihevoller als die Halle der Neuen Nationalgalerie wirkt diese Kirche nicht. Sie ist voller Bänke mit Rückenlehnen, gebaut für Menschen, die länger sitzen, und der Raum wirkt dadurch kleinteiliger, möblierter. Und ohne Kreuz wird es auch nicht feierlicher. Cattelan nennt seinen Löscher ein Reliquiar. Der in St. Matthäus steht am Altar und ist, soweit man weiß, keins. Ganz sicher bin ich nicht. Ich habe ja nicht gefragt. Kritische Beiträge im Weblog zur Neuen Nationalgalerie: Universalraum 24.08.2021 Düttmann und van der Rohe 23.09.2021 Bitte lachen / Please cry 20.05.2022 I do you 05.05.2023 Universalraum II 08.06.2024 [zurück] |
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| 08.09.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| SOS mit umgebauten Overheadprojektoren |
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Nach einigen Anläufen und dank klandestiner Kontakte konnten wir endlich aus China ausreichend leuchtstarke LEDs organisieren, mit denen die teuren und stromziehenden Halogenlampen in den Overheadprojektoren nicht nur adäquat ersetzt werden konnten die Leuchtstärke der Projektionen konnte sogar noch verbessert werden. Anläßlich der Open Studios am 5. und 6. September im Rahmen der Aktion SOS - Save Our Studios*, hatte ich 9 Overheadprojektoren im Studio ohne Probleme (von wegen der Stromlast) in Betrieb genommen und die Reihe der temporären Overheadprojektions-Installationen nach längerer Pause wieder aufgenommen. Das Foto links ist mit dem iPad gemacht die Fotos von früheren Installationen mit Overheadprojektoren (siehe unten) mussten mit Profikameras gemacht und anschließend länger nachbearbeitet werden... Ältere Beispiele: 2 Projektoren (1997) 10 Projektoren (Februar 1998) 12 Projektoren (April 1998) 12 Projektoren (2001) 16 Projektoren (2007) 17 Projektoren (2009) 17 Projektoren (2012) 14 Projektoren (2019) |
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| 21.08.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Lieblingspfeile |
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Lieblingspfeil Nr. 2235 Hänge-Lasche mit Pfeilspitze Die Pfeilspitze zeigt nicht indexikalisch auf das Mottenpapier, sondern das Mottenpapier wird an der Pfeilspitze aufgehängt, indem die Pfeilspitze durch den dafür vorgesehenen Schlitz im Papier gesteckt und eingehakt wird: die Pfeilspitze dient als Widerhaken. |
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| 20.08.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Nachtrag / Korrektur zu |
Version 1.11 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Der Kniende, der Dieb, seine Kellnerin und ich, der ich sie mir ausgedacht habe. |
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Ich hatte bei meinem ersten Anlauf, die Bilder, die Bildwirkung, der Fotos von Malraux und Kempowski [siehe Ausschnitte links] zu beschreiben, den Begriff "Ex-voto" benutzt, aber ich merke, dass das Wort für mich nicht stimmig ist nicht weil es gänzlich falsch wäre, sondern weil es in die falsche Richtung weist. Ein Ex-voto wird gestiftet. Es richtet sich, vom Stifter ausgehend, an eine Instanz, die frei bleibt, ob sie antwortet Gott, eine höhere Macht, oder wie auch immer man es nennen will, spielt für die Struktur keine Rolle. Wer ein Ex-voto einsetzt, bittet, hofft, bleibt demütig; er kann nichts erzwingen, nur ersuchen. Das unterscheidet den Vorgang grundsätzlich von einem Werkzeug: Wer einen Schraubenzieher nimmt, bittet nicht, er benutzt, und die Schraube hat keine Wahl, sich zu drehen oder nicht. Der Umgang der beiden Männer mit ihren Bildern hat, wenn ich genau hinsehe, eher Werkzeug-Charakter als Bitt-Charakter. Nur bleibt die Grenze unscharf: Auch eine Reliquie lässt sich als Zutat benutzen, in einem Wirkzauber, einem Rezept, einer festen Durchführung, die man befolgt, damit etwas geschieht dann rückt sie dem Werkzeug schon sehr nah, nur einem, das mehr können soll, als es selbst und die Hand, die es führt, eigentlich könnten. Ein magischer Schraubenzieher, sozusagen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum Ex-voto nicht passt: Es sitzt zwischen beiden Stühlen, zu demütig fürs Werkzeug, zu werkzeughaft für die reine Bitte. |
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referenziell [15] nennt ein Bild, das nicht auf ein anderes Bild verweist, sondern auf sich selbst, seine eigene Bildhaftigkeit, sein eigenes Zustandekommen. Interikonizität ist damit eine horizontale Beziehung, Bild zu Bild; Selbstreferenzialität eine vertikale, Bild zu sich selbst. Ein Metabild wie Warburgs Atlas ist oft beides zugleich: autoreferenziell, weil es das Sehen selbst zum Thema macht, erreicht aber gerade durch Interikonizität, durch das massenhafte Nebeneinander fremder Bilder. Vielleicht ist es dann auch nicht überraschend, dass ausgerechnet ich diese beiden Fotos aufgehoben habe. Ich mache, in meinen eigenen Rauminstallationen, etwas Verwandtes: Ich verknüpfe Szenen und Konstellationen, setze sie in Relation, arrangiere Ketten und Nachbarschaften, ohne dass das Ergebnis je auslesbar würde wie ein Diagramm es spielt nur mit dessen Ähnlichkeit, genau wie die beiden Fotos. Mein Interesse an ihnen war lange nur ein Impuls, ein Ziehen, das ich nicht benennen konnte. Jetzt, nach all diesem Nachdenken, kann ich zumindest ansatzweise sagen, wonach mich dabei verlangt: nicht nach Besitz eines fremden Bildes, sondern nach der Wiederkehr eines Zustands, den ich selbst schon kenne, nur seltener, als ich es mir wünsche umgeben von Bildern, die ich anordne, während sie mich zugleich zu binden scheinen. Ich stehe damit, wie sich zeigt, nicht allein. Es gibt eine ganze, inzwischen benannte Reihe von Künstlern, die genau das über Jahrzehnte betreiben. Gerhard Richter führt seit den sechziger Jahren einen "Atlas", ausdrücklich in Bezug zu Warburg gesetzt aber sein Atlas bleibt vor allem Archiv, selten so gebaut, dass man als Betrachter hineingerät. Näher an das, was ich selbst versuche, kommen Anna Oppermann [mehr hier und hier] und Matt Mullican, den ich als Gastprofessur an der HdK- Braunschweig erlebt habe. Mullican baut seit den siebziger Jahren eine eigene Kosmologie ein fünfteiliges Farb-Zeichen-System, das die ganze Welt in Fahnen, Bodenmosaiken, Lichtkästen, ganzen begehbaren Räumen zu ordnen versucht, mit dem entwaffnend ehrlichen eigenen Zusatz: "Meine Kosmologie ist ein Modell für eine Kosmologie, es ist keine Kosmologie." Genau das trifft, was ich an Malraux und Kempowski zu fassen versuche: kein fertiges System, sondern ein Environment, durch das man sich bewegt, umgeben von Zeichen, die zusammen mehr behaupten, als jedes für sich könnte, ohne dass diese Behauptung je bewiesen werden müsste. Man könnte einwenden, das sei nur eine modernere Fassung von etwas viel Älterem und, wie Jonathan Swift es sich vorstellte, längst als Torheit verlacht: In "Gullivers Reisen" trugen die Gelehrten der Akademie von Lagado Säcke voller Dinge auf dem Rücken, um sich im Gespräch gegenseitig Gegenstände zu zeigen, statt Wörter zu benutzen ein Projekt zur Abschaffung der Sprache, weil man ihr nicht traute. Aber der Unterschied ist entscheidend: Swifts Akademiker griffen zu Dingen, weil ihnen die Sprache fehlte oder sie ihr misstrauten ein Mangel, den sie kompensierten. Malraux, Kempowski, Oppermann, Mullican und auch ich setzen auf Bildkonstellationen, Ensembles, Raumzeichnungen, nicht aus Mangel, sondern weil diese Ansätze etwas eigenes, gleichrangiges leisten, das Sprache so nicht könnte. Kein Ersatz für ein fehlendes Vermögen, sondern die Nutzung eines zusätzlichen. |
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| Anmerkungen |
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kuratierte Übersicht zieht eine Linie von den Kunst- und Wunderkammern über Warburgs Mnemosyne-Atlas bis zu Malraux' Musée imaginaire "Image Atlases" mit dem Anspruch auf totalisierende Übersicht. [zurück] [13] Interikonizität: Christoph Zuschlag, "Auf dem Weg zu einer Theorie der Interikonizität" (2006), nach dem Vorbild von Julia Kristevas literarischer Intertextualität auf die visuelle Welt übertragen. Beschreibt ein Netz von Bezügen zwischen Bildern, das nicht als Zitat markiert wird, sondern in Komposition, Pose, Motivwahl eingelassen bleibt der informierte Betrachter muss den Resonanzraum selbst herstellen. Elisabeth-Christine Gamer, "Überlegungen zur Interikonizität. Malewitsch, Duchamp, Warhol und die Mona Lisa" (2007), versammelt in einem Aufsatz fast dieselben Stationen, die auch dieser Text durchläuft. [zurück] [14] Pathosformel: Aby Warburg, entwickelt vor allem in seinen Arbeiten zur Nachwirkung der Antike. Bezeichnet Körperhaltungen und Gesten, die über Jahrhunderte wandern und dabei eine affektive Ladung mitführen, die aus ihrer langen Verwendungsgeschichte stammt, nicht aus der reinen Form. Die liegende Venus von Giorgiones "Schlafender Venus" über Tizian bis zu Manet trägt diese Ladung mit sich; der Skandal um "Olympia" (Salon 1865) speiste sich vermutlich aus der Spannung zwischen der vertrauten Formel und ihrer plötzlichen Umpolung vom Idealisierten ins Konfrontative. [zurück] [15] Selbstreferenzialität und Autoreferenzialität bedeuten wörtlich dasselbe "auto-" ist die griechische Entsprechung zu "selbst" , haben sich aber in unterschiedlichen Disziplinen unterschiedlich eingebürgert. "Selbstreferenz" ist vor allem durch Niklas Luhmanns Systemtheorie geprägt: ein System, das seine eigenen Elemente aus seinen eigenen Operationen erzeugt (Autopoiesis). "Autoreferenzialität" stammt eher aus Semiotik und Linguistik, u.a. über Roman Jakobsons "poetische Funktion" (eine Äußerung, die die eigene Machart in den Vordergrund rückt), und wird in der Kunstkritik oft für Bilder verwendet, die auf ihre eigene Flächigkeit oder ihr Medium verweisen, statt auf etwas Externes. Im Unterschied zur Interikonizität (horizontal: Bild zu Bild) ist Selbst-/Autoreferenzialität vertikal: Bild zu sich selbst. [zurück] |
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| 11.08.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Lieblingspfeil Nr. 2234 Verpfeiltes "p" Als Aufräumen_XXX bekommt hier "the map", der Plan der NYC-Subway-Linien current as of March 2008, also Stand März 2008* seinen Auftritt, um das schön verpfeilte "p" in dem Wort "map" zu würdigen. Schön, weil das "p" in eine ungewöhnlich lange Pfeilbahn übergeht, bevor dann die Pfeilspitze die Verpfeilung komplettiert. Aufräumt habe ich meine Sammlung von Landkarten und Stadtplänen, also fast vollständig entsorgt, weil ich sie nicht mehr nutze und auch kaum Abnehmer für die Karten gefunden habe... Nur historisch gewordene Pläne von West-Berlin habe ich aufgehoben... schon wegen der damaligen Straßennamen und der, im Stadtplan, erkennbar anderen Stadt. Nachtrag 14.08.2026 In meiner Sammelkiste zu meiner Zeit in New York City, als ich 2000/2001 mit dem Peter Voigt Reisestipendium dort unterwegs war [siehe Berichte] fand ich noch eine ältere Version von the map aus dem Jahr 2001. So klärt sich auch, dass der Pfeil (ursprünglich) weder eine Ausrichtung der Karte, noch einen speziellen Punkt auf der Karte anzeigen sollte und dass die Zeigerichtung "nach unten" auch nicht für die Untergraundbahn stand, sondern exakt auf das MTA-Rondell-Logo wies. Siehe Abbildung rechts. Der Pfeil hatte noch eine reale indexikalische Funktion, er verband den Wort-Titel „the map" mit dem Verantwortlichen des Produkts, der Metropolitan Transportation Authority eine Art Signatur-Geste. Da das MTA-Logo später, zusammen mit hinzugefügten „Metropolitan Transportation Authority", in eine neu dazugekommene untere Leiste gewandert ist, zeigt der Pfeil jetzt nirgendwo hin. Das ist ein exemplarisches Beispiel für eine Entwicklung, die, sowohl in der Design-Theorie, als auch in der Evolutionsbiologie, Vestigialität heißt: eine Form bleibt erhalten, nachdem ihre ursprüngliche Funktion entfallen ist wie ein Blinddarm oder wie bei Warburgs „Nachleben"**: eine Formel, die über den Kontext hinaus weiterlebt, der sie einst notwendig machte. |
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| 08.08.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Lieblingspfeile |
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Lieblingspfeil Nr. 2233 Versuchende Pfeile Eine zur Zeit in Berlin häufiger zu sehende große Außenwerbung, unter anderem an Straßenbahnhaltestellen: „Ab Montag erhältlich in der VILLA DER VERSUCHUNG"* dazu zwei geschwungene Pfeile unter dem Wort VILLA, die von der Wortmitte VERSUCHUNG in einem Schwung nach oben laufen, nicht mit der Leserichtung, sondern gegen sie, um auf VILLA zurück zu weisen. Diese Pfeile denotieren nichts (weisen auf kein Ziel), aber sie exemplifizieren Verführung** sie sind schwingend, ziehend, sich windend, und genau durch dieses Besitzen der Eigenschaft ver- führerische Bewegung verweisen sie auf Versuchung, nicht indem sie auf sie zeigen, sondern indem sie sie vorführen. Sie erinnern dabei an Schlangen- und/oder Teufels-schwänze schließlich geht es hier um Versuchung aber auch an Jugendstilornamente oder an Wellen... liegt diese Villa an einem Seeufer oder an einer Küste? Was als "ab Montag erhältlich" beworben wird: ein Ei. Für 300 Euro. Mittig am unteren Bildrand ist noch die weiße Eispitze zu erkennen, drüber dann meine Spiegelung, wie ich die Werbung fotografiere. Das Ei zieht die ganzen Assoziationen, die sich beim Betrachten des Logos eingestellt haben (Schlange, Teufel, Paradies, Versuchung und Eva die Pfeile weisen auf das "V" und das "A"... fehlt nur noch das "E"), noch einmal ins Absurd-Konkrete: hier geht es nicht um den Apfel (der Erkenntnis), sondern um ein Ei also nicht um die Frucht der Erkenntnis, sondern den Ursprung des Lebens selbst, für schlappe 300 Euro zum Aufessen. Zum Thema expressive Piktogrammge-staltung, bzw. Ausdruckstypografie, vergleiche auch: Gibt es traurige Pfeile? |
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| 06.08.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Lieblingspfeile |
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Lieblingspfeil Nr. 2232 Herz mit, bzw. über, Pfeil Das Herz über den Verkehrszeichen-Pfeil ist eines der Signature-Motive ("la freccia di un obbligo che trafigge un cuore") von Clet Abraham.* Er ist dafür bekannt, seine Motive an vielen Orten zu wiederholen das Motiv gehört zu seinem konstanten Repertoire. Im Shop Sticker Museum gibt es dieses Motiv als "CLET ARROW THROUGH THE HEART STICKER", blaues, mittelgroßes Decal, Digitaldruck auf Vinyl-Sticker, 10x10 cm, für 50 Dollar. Das ist kein Vandalenset zum selber Stickern, sondern eine verkleinerte Version mit Herz und Pfeil zum Sammeln/Aufkleben, offiziell autorisiert. Clet Abraham selbst sagt, seine Werke "gehören allen"; er begrüßt sogar spätere Eingriffe anderer auf seine eigenen Interventionen als "Dialog". Das erklärt möglicherweise auch, warum auf dem Foto mehrere fremde Sticker (COSECHA1980, Oskoed Slotters, was mit LOVE und ein sehr verblichender Sticker auf der Herzspitze) auf dem Schild kleben das wäre in seiner eigenen Logik kein respektloser Übergriff, sondern genau die Art Dialog, die er sich wünscht. Vgl. auch mit: LP_2216 und LP_1676 Eingereicht von Bernd Stegmann |
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| 25.06.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Lieblingspfeile |
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Lieblingspfeil Nr. 2231 Von einem Pfeil umkreistes "A" KAT ist das Akronym für den Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e.V. Der Verein wurde 1995 als Reaktion auf damalige Betrugsfälle auf dem Eiermarkt gegründet. Er soll sicher stellen, dass Eier lückenlos rückverfolgbar sind und garantiert aus Boden-, Freiland- oder Biohaltung stammen. Die Pfeilspitze: der offene Kreis um das "A", der in einer Pfeilspitze endet, symbolisiert einen Kreislauf beziehungsweise eine Lieferkette, die man zurückverfolgen kann. Der Abstand zwischen dem "K" dem "A" und dem "T" muss, wegen des Kreises um das "A", relativ groß sein. Schwierig. Sobald ein Element (der Kreis-Pfeil) exklusiv um einen Buchstaben gelegt wird, bekommt dieser Buchstabe ein optisches Gewicht, das die anderen nicht haben er wird umrahmt, die anderen stehen "nackt" daneben. Das Auge geht zuerst zum umschlossenen Element, weil Umschließung ein extrem starkes Aufmerksamkeitssignal ist (stärker z.B. als Größe oder Fettung). Das Ergebnis: man liest "A" mit Beiwerk, nicht "KAT" als Einheit. Zudem ist die Anarcho-A-Assoziation kaum zu vermeiden, sobald ein Kreis um ein "A" gelegt wird, egal ob mit oder ohne Pfeilspitze. Denn das Anarchie-Symbol ist so bekannt, dass jedes eingekreiste "A" erstmal durch diesen Filter gelesen wird, bevor man überhaupt zur gewollten Bedeutung (hier: Kontrollkreislauf) vordringt. Für ein Prüfsiegel, das Vertrauen und Ordnung signalisieren soll, ist das eine ziemlich unglückliche Kollision. |
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| 24.06.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Aufräumen_XXIX |
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Diese Zeitungsseite habe ich lange aufgehoben, weil sie ein gutes Beispiel dafür ist, wie man, trotz guter Ansätze, so richtig scheitern kann. "Die Gesten der Hand sind die Gesten des Instinkts die freisten und schnellsten, die es gibt. Es ist ein mühsames Geduldsspiel, bis zu dem Moment, wo sich alles zu einem Ganzen fügt: die Dinge, die bereits existieren, die Erinnerung daran und die Suche nach dem Neuen." Diesem Zitat von Renzo Piano darf man nicht nachspüren denn dann fällt es auseinander: eine Bewegung von schneller, instinktiver Geste* wird konfrontiert mit, und endet in, einem mühsam erarbeitetem Ganzen aber wie aus vielen freien, schnellen Handbewegungen in einem Geduldsspiel sich alles zu einem Ganzen fügt, wird einem nicht erklärt. Das ein feines Ganzes anzustreben ist, ist banal. Keiner will etwas Unvollständiges, was auch noch instabil ist und auseinanderfällt wie diese Verknüpfung dieser zwei Aussagen. Und der Dreiklang am Ende das Bestehende, die Erinnerung daran und die Suche nach dem Neuen passt auf fast jeden kreativen Prozess, den man sich vorstellen kann. Kochen, Musik, Städtebau und auch Zeichnen. Nichts an dem Satz ist falsch. Dazu das Layout der Seite: viel leerer Raum, viel gedämpftes warmes Ocker, ein schwarz-weiß Foto mit einem nachdenklichen Piano, die Automarke sehr dezent platziert all das soll signalisieren: hier spricht ein Gedanke, dass ist eigentlich keine Werbung. Während die eigentliche Transaktion darunter unverändert wirksam bleibt: Ein Autohersteller versucht sich kulturelle Autorität zu kaufen. Und es misslingt. Da hilft es auch nicht, dass die "Botschafter" ihr Honorar für soziale und kulturelle Zwecke spenden. |
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| 21.06.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Lieblingspfeile |
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Lieblingspfeil Nr. 2230 Abgeknickter Pfeil Kühlkleidungs-Technologie aus Japan, die dort als Kuchofuku (klimatisierte Kleidung) bekannt ist. Zwei flache Ventilatoren blasen, unten links und rechts, Luft durch das Kleidungsstück, was dazu führt, dass der Schweiß sofort verdunstet und den Körper effizient herunter kühlt. In Japan sehr geschätzt, sind solche Westen in Europa noch kaum bekannt. Mich interessiert hier vor allem der Pfeil mit der abgeknickenden Pfeilbahn [Abb. oben], der die Sonnenstrahlen [Sonne oben rechts], dargestellt durch reduzierte Dreieckspfeile, von der Weste [weiße Fläche links] abhalten soll, weil Luft zirkuliert [zwei Wellenlinien über dem abgeknickten Pfeilbahnstart]. Die zwei blauen Pfeile [Abb. unten] zeigen in der Rückenansicht der getragen Weste die Wege der, durch den Ventilator in die Weste geblasenen, Luft: sie strömt zum Armansatz oder Nacken hinaus. Die Strömungsrichtung der Luft soll ein weiteres der 4 Logos veranschaulichen, was rechts größer abgebildet ist. Ein vielfältiger Einsatz unterschiedlichster Pfeile der einen etwas unsystematischen Pfeilumgang vermuten lässt. |
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| 20.06.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Aufräumen_XXVIII oder: |
Version 1.14 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Der Kniende, der Dieb, seine Kellnerin und ich, der ich sie mir ausgedacht habe. |
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Den links zu sehenden Zeitungsausschnitt hebe ich jetzt schon seit über 25 Jahren auf. FAZ, "Bilder und Zeiten", Nummer 256, das Datum nicht lesbar, aber der Artikel muss 2001 erschienen sein*, zum hundertsten Geburtstag von André Malraux. Das Papier ist vergilbt, der Ausriss unregelmäßig, ich habe ihn nicht mit der Schere aus der Zeitung genommen. Darüber, auf dem Ausschnitt, nur noch ein Satzfragment unter der Headline: "[…] Vorstellung von der chronologischen Abfolge der Kultur zu versperren: […]" Zum Foto: André Malraux wurde von Maurice Jarnoux für Paris Match** fotografiert er lehnt stehend, in seinem Salon, an einem hellen Flügel [4]; er stützt sich leicht mit seinem Hintern ab. Anzug, Krawatte, Einstecktuch, Zigarette im Mund, die Hose mit sauberer Bügelfalte, die Schuhe schwarz und leicht glänzend ein Understatement, das keine Zweifel aufkommen lässt an der Seriosität dessen, was hier geschieht. Um ihn herum, auf dem Boden, Hunderte Schwarz-Weiß-Andrucke seines Buchprojekts, paarweise arrangiert, Doppelseite neben Doppelseite. In der Hand hält er eine einzelnen Andruck, den er konzentriert betrachtet wir sehen nur die weiße, leere Rückseite. Wir nicht das Bildmotiv zu sehen das sieht nur Malraux, der es für uns bewertet. Kunsthistoriker stellen diese Szene seit Jahrzehnten neben Aby Warburgs Mnemosyne-Atlas* und werten dabei meist unnötig: hier die seriöse Wissenschaft, dort die Selbstinszenierung. Warburg kuratierte, sich selbst wiederholt korrigierend, schwarze Tafeln mit einer jeweils fasslichen Anzahl von Bildbeispielen und dokumentierte jede Fassung frontal, also sachlich nachvollziehbar Malraux hingegen prüfte Andrucke, für niemanden bestimmt, außer für ihn selbst: zwei verschiedene Gattungen von Tätigkeit, die nur zufällig ähnlich aussehen. Dass dabei u.a. dieses Foto entstand, das sich gut zu Werbezwecken einsetzen ließ, sollte den (nötigen) Arbeitsvorgang die Korrektur vor der Druckfreigabe nicht diskreditieren.Der Dieb Was ich damals nicht wusste: dieser distinguiert wirkende Mann war 1923, mit 22 Jahren, zusammen mit seiner Frau und einem Freund in den Tempel Banteay Srei in Kambodscha eingebrochen und hatte zwei Tage lang mit einfachem Werkzeug Devata-Reliefs aus der Wand gesägt, um sie an amerikanische Sammler zu verkaufen, weil er das Vermögen seiner Frau an der Börse verspekuliert hatte. Er wurde erwischt, verurteilt zu drei Jahren und saß keinen einzigen Tag ab, weil Freunde wie André Breton für ihn petitionierten und weil das Kolonialsystem, das ihn richtete, auch das System war, das ihn laufen ließ. Zwanzig Jahre später ordnet derselbe Mann in seinem Salon die Weltkunst neu nach visueller Ähnlichkeit, zu einem Musée imaginaire. Und die Idee war nicht mal seine eigene: Jahre bevor Malraux sich damit befasste, hatte der Fotograf André Vigneau in seiner „Encyclopédie photographique de l'art" (fünf Bände, ab 1935) genau das vorgemacht Kunstwerke aus aller Welt fotografisch nebeneinandergestellt, um Verwandtschaften sichtbar zu machen. Der Kunsthistoriker Walter Grasskamp hat das im Detail nachgewiesen und bringt es auf den Punkt: Malraux war „der bessere Sloganeer" er übernahm das Prinzip, ohne die Quelle kenntlich zu machen. Das Vokabular, mit dem man das heute verhandelt, vergesse ich zuverlässig wieder, sobald ich es gelesen habe Othering, Extraktivismus, symbolische Landnahme, Begriffe, die klingen, als bräuchten sie eine eigene Fußnote, nur um zu sagen, was die Kellnerin weiter unten in einem Satz sagen kann. Der Kern, so viel bleibt hängen: Aneignung nicht als Diebstahl von Objekten, sondern als Diebstahl von Deutungshoheit Malraux ordnet fremde, meist außereuropäische Kulturgüter in seine eigene, universalistische Erzählung ein, ohne die Herkunftsgemeinschaft je zu fragen, ob sie sich darin wiederfindet. Dabei ist an dem, was Malraux mit der Kamera tut, formal damals wie heute nichts strafbar. Er stiehlt nichts, er fotografiert nur, bzw. benutzt Fotos: wählt Ausschnitte, bevorzugt bestimmte Aufnahmewinkel auf eine Skulptur, die real ganz anders im Raum steht und wirkt, vereinheitlicht Farbe, Material und Maßstab zu Schwarz-Weiß, montiert das Ergebnis in eine Nachbarschaft, die es historisch nie gab. |
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Verhältnis zu ihnen selbst etwas tragen. Ich sehe mir die beiden an und denke: So gewiss wäre ich auch gerne. Aber beide wirken, auf ihre je eigene Art, auch ein bißchen prätentiös der eine im Anzug, der über die Bilder herrscht, der andere, kniend, der über sie wacht. Was beide vor sich ausgebreitet haben, bekommt den Charakter von Reliquien. Wie ein Ex-voto, ausgelegt in der Hoffnung, dass es wirkt, ohne dass je bewiesen werden könnte, dass es gewirkt hat. Nur die Richtung ihres Glaubens unterscheidet sich: Malraux missioniert er zeigt seine Reliquien einem Publikum, verkündet ihre Verwandtschaft in einem Buch, das in die Welt geht. Kempowski dagegen sammelt und verwaltet, fast eremitisch, kniend vor einem privaten Archiv, das erst Jahrzehnte später den Weg in eine Institution fand. Der eine predigt, der andere hütet. Was allerdings tatsächlich, direkt, funktionieren kann im Sinne von: Wirkung haben, etwas auslösen, treffen , ist nicht das große Versprechen des Systems (die Verwandtschaft aller Kunst, die rettende Erhellung der eigenen Biografie durch ein Archiv), sondern die einzelne, konkrete Doppelseite, wenn sie gelingt, wenn sie überrascht. Malraux kämpft für punktuelle Erkenntnis durch Bildvergleich über Kulturen und Epochen hinweg: der archaische Kopf neben dem gotischen Engel. Bei allen Nachteilen, die das haben kann, steckt darin auch eine Möglichkeit die, bescheidener auf die Hochkultur zu blicken, wenn anderswo, vielleicht früher, unter schlechteren Bedingungen, ähnlich aufregende Artefakte entstanden sind. Ob ihn das selbst nachdenklich gemacht hat oder ob er, ein 500 Jahre altes Artefakt neben einem Matisse betrachtend, nur einen Kulturchauvinisten in sich bestätigt sah weiß ich nicht. Kempowski kämpft für etwas anderes: gegen Erinnerungslücken, gegen Verdrängung, gegen die falsch rekonstruierte Biografie eines jeden. Ihm geht es nicht nur darum, dass Fotos erhalten bleiben, sondern dass sie wirksam werden dass sie falsche Vorstellungen von der Vergangenheit korrigieren können. Ein Hochzeitsfoto aus dem Jahr 1943, in dem sich der Krieg mit keiner Falte einschreibt lachende Gesichter, ein gedeckter Tisch, als gäbe es die Zeit nicht, in der es entstand , zeigt etwas über Verdrängung, über ein Geschichtsbild mit blinden Flecken, das viele so nicht kennen. Das Glaubenssystem als Ganzes bleibt unbeweisbar, eine Behauptung im Anzug oder auf Knien. Der einzelne Treffer nicht. Und schlussendlich wiederhole ich hier, mit meinen zwei Fotos, Malraux' Geste: Bilder aus verschiedenen Sphären zusammenzuführen, eine neue, von mir gestiftete Nachbarschaft zu schaffen. So nebeneinandergestellt geben die Fotos ursprünglich genutzt für denkbar verschiedene Anlässe: eine Homestory in einer Illustrierten, ein Werbeflyer für eine Archiv-Ausstellung Sichtweisen frei, die sich, jedes Bild einzeln betrachtet, nicht ergeben hätten. Auch das, im Kleinen, ein Ex-voto. Anmerkung [4] Ein Pleyel-Doppelflügel ('Duo-Clave', zwei Klaviaturen, ein gemeinsamer Resonanzboden, nur rund 50 je gebaut) 1946 von Malraux' Frau, der Konzertpianistin Madeleine Lioux, für 190.000 Francs erworben. 2021 wurde er, längst nicht mehr im Familienbesitz, bei Dreweatts versteigert. [zurück] |
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| 18.06.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Lieblingspfeile |
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Lieblingspfeil Nr. 2229 Widersprüchliche Zielangaben Dieser Wegweiser aus der Zeichnung Am Bundesfahndungstag von Gerhard Seyfried weist in 3 Richtungen auf die gleiche Sache: die Stadtmitte, bzw. City, bzw. Innenstadt. Die Zeichnung zeigt eine chaotische Szene in einer Innenstadt mit mindestens 33 größtenteils desorientierten und / oder verängstigten Protagonisten. Mehr zu Seyfried hier. Vgl. auch mit: Pfeil-Situation_19 |
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| 16.06.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Lieblingspfeile |
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Lieblingspfeil Nr. 2228 Pfeil mit fraglichen Abzweigeschwung Gestern bekam ich diese Email: "Hi Hannes, ich bin mitten in der Baustelle vom Fahrrad gestiegen, um diesen wunderbaren Pfeil zu fotografieren." […] Den falschen Abbiegeschwung, bzw. die sich aus dem falsch angesetzten linken Abbiegepfeil zwingend ergebene falsche Bewegungsrichtung, wird in der digital bearbeiteten Variante unten rechts hoffentlich für alle ersichtlich... Eingereicht von Hinrich Schmieta. |
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| 14.06.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Der Schritt ins Asemische |
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| Bevor „asemisch" ein Wort für eine Kunstform wurde, war es ein Wort für eine Krankheit. „Asemisch" kommt aus dem Griechischen: das alpha privativum plus sema, Zeichen. Wörtlich: zeichenlos. 1885 taucht „Asemie" bei dem britischen Gelehrten Frederic Myers auf als Bezeichnung für eine Störung, verwandt mit Aphasie: die Unfähigkeit, Zeichen zu verstehen oder zu bilden. Ein Defekt. Erst 1997 machen die Dichter Tim Gaze und Jim Leftwich aus dem Unvermögen ein Programm und nennen es Asemic Writing. Aus einer Diagnose wird ein Angebot. Das ist die Einleitung zum Text, den man hier lesen kann. |
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| 12.06.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kunstpfeil_112 |
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Im Handy-Foto eines alten schwarz-weiß Fotos aus dem, von meinem Onkel Claus von der Osten begonnenen, Werkverzeichnis meines Großvaters, des Malers und Kunsterziehers Hans Düne.Hans Düne war als Mentor von Kunsterzieher-Referendaren in Niedersachsen oft in Hannover und hat dort dann auch gemalt. Die Gouache einer Situation am Steinstor* mit dem Abbiegepfeil entstand 1955. Vgl. auch mit weiteren Kunstpfeilen, die ganz gegenständlich, in abgebildeten Verkehrszeichen oder Logos ihren Auftritt haben: Kunstpfeil_104: Schild mit Abbiegepfeil Kunstpfeil_96: Richtungsschild Kunstpfeil_82: FedEx-Logo |
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| 11.06.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Lieblingspfeile |
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Lieblingspfeil Nr. 2227 Von der Norm abweichende Pfeile Diese zwei Pfeile, die, zusammen mit dem Firmennamen, das klassische Firmenlogo* des Herstellers eines Aktenvernichters bilden, sind aus zwei Gründen interessant: a) beide Pfeilspitzen wurden versetzt, befinden sich also nicht mittig der Pfeilbahn b) die Pfeilspitzen sind asymmetrisch, auch weil sie so die, an ägyptische Kartuschen erinnernde, ovale Einfassung fortsetzen Wegen der versetzten Pfeilspitze ver- gleiche auch mit: LP_1548 LP_1538 LP_1260 LP_0341 |
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| 09.06.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Nachtrag zu Kunstpfeil_056* |
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Ich habe die 2020 als Kunstpfeil_56* vorgestellte Arbeit Hausfrau sein von Anna Oppermann, die ich in Oppermanns Einzelaustellung Das Bild steht auf der Fensterbank bei Barbara Thumm in Berlin fotografiert hatte, in der Gruppenausstellung A Nail to Hang the Day On im Hamburger Kunstverein** wieder gesehen und kann nun zwei Realisationen des Ensembles Hausfrau sein 1968-1973 / 2020 und 1968-1973 / 2026 miteinander vergleichen. Sowohl der Aufbau des Ensembles Hausfrau sein in Berlin 2020, als auch jetzt in Hamburg, wurde interpretiert und realisiert von Dr. Anna Schäffler (Estate Anna Oppermann). Die Tischdecke Eine niederländische Rezension (De Witte Raaf) der Bonner Oppermann-Retrospektive 2024 beschreibt explizit: "Op het altaartje van Hausfrau sein ligt een geruit tafelkleed dat een kneuterige keukensfeer oproept" ein kariertes Tischtuch, das eine spießig-behagliche Küchenatmosphäre heraufbeschwört. im Zusammenspiel mit anderen Elementen wie den "Altärchen": Möbel(miniaturen), Hocker, Figuren und Beiträgen (Texten) rund um die "ideale Hausfrau" und dem Familienglück wird und wurde die Tischdecke prominent präsentiert.. Die Tischdecke war also kein Nebenrequisit, sondern ein bewusst gesetztes ikonografisches Signal für das "Hausfrau"-Klischee dass sie in der aktuellen Hamburger interpretierenden Neuinstallation fast verschwindet führt zu einer interpretatorisch relevanten Verschiebung: das zentrale Kitsch-/Rollenbild-Signal wird zurückgenommen während gleichzeitig die Rauminvasion (Boden, Tiefe) verstärkt wird... eine Akzentverschiebung vom ironischen Rollenzitat hin zu einer eher räumlich-materiellen, weniger domestizierten Lesart?* Vier Pflanzen sind dem Ensemble "Hausfrau sein" als Bezugspflanzen bzw. Referenzpflanzen zugeordnet: Kaktus, Graslilie, Calla (Oppermann schreibt Kalla) und Haselnuß. Drei sind typische Fensterbank- und Wohnzimmerpflanzen bürgerlicher Interieurs der 1960er/70er Jahre: Kaktus und Graslilie (Chlorophytum) sind pflegeleichte Grünzeug-Klassiker, die Calla ist eine dekorative Schnitt-/Topfblume mit gehobenerem, fast repräsentativem Anspruch. Nur der Haselzweig mit Kätzchen ist keine Zimmepflanze und fällt aus der Reihe heraus. Der Begriff Referenzpflanze bleibt bei aller Recherche unspezifisch... welche Folge welche Pflanze als Referenz für eine Installation hat, oder haben könnte, bleibt offen. Genauso, ob bei jeder Reinszenierung eines Ensembles die historischen Referenzpflanzen wieder ihren Auftritt haben müssen.** |
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| Vergleich der Versionen von "Hausfrau sein" von 2020 und 2026 |
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geplant war, sondern weil es sich aus dem Material ergeben hat, das sich in dieser Zeit angesammelt hatte Notizen, auch über eine Zeit, in der ihr das gewohnte Sprechen schwerfiel. Das Ensemble erklärt das nicht, es zeigt nur, was während der Arbeit daran entstanden ist. Was von diesem langsamen Werden fünfzig Jahre später noch da ist, wenn das Ensemble an einem neuen Ort wieder aufgebaut wird, lässt sich nicht auf einen Blick erfassen. Es zeigt sich erst, wenn man einzeln nachsieht: ob die Decke noch liegt, ob die Pflanzen noch da sind, welche von ihnen, wie sichtbar. Jede neue Aufstellung ist selbst wieder ein Schritt in derselben Methode nicht Wiederholung, sondern Fortsetzung. |
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| 01.06.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Lieblingspfeile |
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Lieblingspfeil Nr. 2226 Pfeil ohne Pfeilspitze Dieser arg bedrängte Pfeil so ist die eigentliche Pfeilspitze überklebt ist immer noch als solcher zu erkennen: ein weiteres Beispiel für die Robustheit des Zeichens. Vgl. a. mit: LP_0001 LP_0620 LP_1279 LP_1314 LP_1617 LP_1834 |
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| 08.05.2026 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Lieblingspfeil Nr. 2225 Potentiell hektisch gesprühter Pfeil Ein Pfeil an einem Bauzaun, gut einsehbar, hastig gesetzt.* Die Linie beginnt einigermaßen scharf und wird zunehmend breiter und diffuser der Abstand zur Fläche hat sich während der Bewegung offenbar vergrößert. Handwerklich lässt sich wenig Positives sagen: unsichere Schwünge, keine Kantenkontrolle also ungenauer Sprühabstand , kein Wille zur Form, sondern eher das Bedürfnis, die Fläche voll zu machen. Ambition: Markierung im Vorbeigehen.** Genau das macht die Linienschwünge und die ambitionslos wirkende Pfeilspitzensetzung [siehe auch hier] interessant sie zeigt nichts als sich selbst, keine Botschaft, nur die physische Spur einer Reviernahme durch eine raumgreifende Markierung. Die Pfeilspitze selbst verdient einen eigenen Blick: Sie startet als etwas zu lang gehaltener, naher Punkt mit leichten Läufern , dann entfernt sich die Dose zunehmend wieder von der Fläche. Im Hin und Her dieser Bewegung entsteht am Wendepunkt der Pfeilspitze noch einmal eine leichte Verdichtung, bevor die Spitze endgültig in Sprühnebel ausläuft und abbricht. Der eigentliche Clou kam später dazu: der Bauzaun wurde umgebaut, die Holzplatten in neuer Reihenfolge zusammengesetzt. Damit sind die Linien an mehreren Stellen zerschnitten und versetzt wieder zusammengefügt. Aus der einen Geste wird eine gebrochene Struktur, deren "Abbruchkanten" die Punkte, an denen die Fortsetzung nicht mehr ankommt zum auffälligsten Element des Bildes wird. So bekommt der Pfeil eine zweite Autorenschaft, die von ihrer Rolle nichts wussten: Bauarbeiter montierten die flächenfüllende Linien-Geste neu und was ursprünglich nur schnell gemacht und wenig ansehnlich war, wird durch diesen Eingriff zu einer komplexeren Situation, die wegen ihrer Bruchstellen Aufmerksamkeit generiert und bindet die Erwartung von Kontinuität wird enttäuscht, das Auge bleibt hängen. |
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